Derzeit scheint es so, als würde jede zweite Krankenkasse- und Versicherung eine eigene Version einer Patientenakte entwickeln. Aber nutzt es dem Patienten wirklich, wenn unzählige konkurrierende Modelle auf den Markt kommen?

Die bisher prominentesten Anbieter von Patientenakten sind bislang Vivy, Vitabook, Die Techniker sowie die AOK – und sie haben alle eines gemeinsam. Sie müssen allesamt folgende Informationen in der Patientenakte aufnehmen und dokumentieren:

  • Name des Patienten
  • Datum des Besuchs (Uhrzeit, wenn relevant)
  • genaue Anamnese
  • bereits bestehende Medikation
  • Beschwerden
  • Ursache und Ausmaß der Erkrankung, Befund
  • Verdachtsdiagnose(n)
  • durch Fremdbefunde gesicherte Diagnose(n)
  • welche Ärzte (Fachrichtung) vor oder parallel untersucht/behandelt haben
  • welche ärztlichen Maßnahmen geplant sind (z.B. Gastroskopie in einer Woche)
  • die wichtigsten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen (z.B. Diagnoseuntersuchungen, Funktionsbefunde, Medikation)
  • Ergebnisse der Behandlung
  • Zwischenfälle

 

Ob und wie die einzelnen Gesundheitsakten miteinander kompatibel sind oder inwiefern sie dies überhaupt sein müssen, darüber besteht derzeit noch große Unklarheit. Fakt ist jedoch, dass der Bund endlich klare einheitliche Vorgaben definieren muss, damit sich bei den verschiedenen Anbietern nicht zu große Diskrepanzen entwickeln, die in der Konsequenz einzig auf Kosten des Patienten gehen, wenn diese zurückgenommen werden müssen.

 

Datenschutz als Hürde?

Traditionell wird bei jeder Innovation, die kurz davor ist, sich in Deutschland zu etablieren, auf die Datenschutz-Problematik hingewiesen. Meistens besteht für die überkritischen Geister nur in einer gänzlichen Ablehnung neuer Technologien der ideale Datenschutz. Richtig ist jedoch, dass die Datenschutz-Regulieren an mancher Steller eh zu straff als zu lasch definiert sind. Wie  Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse beim E-Health-Kongress Anfang August in Frankfurt schilderte, habe die Krankenkasse zwar viele Daten über ihre Patienten, sie dürften aus datenschutzrechtlichen Gründen jedoch nicht genutzt werden. Patienten dürften im Regelfall von ihrer Kasse nicht angesprochen werden – selbst, wenn aus den Daten der Patientenakte ersichtlich würde, dass eine therapeutische Maßnahme oder die Verabreichung mehrerer Medikamente fatale Nebenwirkungen mit sich bringen kann.

TK-Chef Baas macht dies an einem konkreten Fall deutlich: „Wir können an unseren Daten zum Beispiel sehen, welche Medikamente Patienten bekommen, und wir sehen bei einem nicht unerheblichen Anteil der Patienten, dass sie Medikamente nehmen, die man nicht zusammen verschreiben darf. Warum? Weil sie bei verschiedenen Ärzten waren und Arzt A nicht weiß, was Arzt B verschrieben hat.“

Bei der TK will man – wenn man schon nicht den Patienten selbst darauf hinweisen kann, dass seine er sich bezüglich Therapie oder Medikation in Gefahr begibt – dafür sorgen, dass sämtliche Daten über ihn automatisch in seine Akte fließen. Selbst das ist in Deutschland momentan eine Grauzone. Von der derzeitigen Rechtslage ist noch nicht mal dieser Vorgang abgedeckt  – damit die Patientenakte wirklich brauchbar wird, müsse die deutsche Gesetzgebung jedoch geändert werden, sodass die Daten ganz legal von den Anbietern zusammengefasst werden können und – in bestimmten, heiklen Situationen – den Patienten auf seine Gesundheitsakte ansprechen darf.

 

Und  Apple?

Der erfolgreichste Tech-Konzern der Welt treibt in den USA schon fleißig seine eigenen Pläne einer Gesundheitsakte voran: Mit der App „Health Records“ sollen Kliniken und Ärzte Patienteninformationen wie Allergien und Impfungen, klinische Vitalparameter, Laborergebnisse oder auch Angaben zur Medikation des Patienten austauschen können.

Die Gesundheitsakte von Apple ist zunächst nur auf US-Krankenhäuser beschränkt – die Ausweitung nach Europa dürfte jedoch nur noch eine Frage der Zeit sein.