Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck sorgte mit seiner Ankündigung, sich aus den Social Media-Plattformen Twitter und Facebook zurückzuziehen, für Aufruhr. Begründet hat er dies damit, dass vor allem der polemische, teilweise aggressive Ton auf seine eigene Tonweise abfärbe.

Die Aussage kann man erstmal so stehen lassen. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Tonalität eines Mediums wirklich so sehr auf eine Person abfärben kann, dass man sich dieser anpasst – oder ob er es sich nicht vielleicht etwas zu einfach macht. Schließlich muss man in den sozialen Medien zwar schnell reagieren, aber man muss nicht impulsiv reagieren. Ein bisschen Zeit, um durchzuatmen und sich eine souveräne Antwort zurecht zu legen, erweist sich immer als der klügere Schachzug.

Robert Habeck beraubt sich durch seinen Social Media-Rückzug der Möglichkeit, seine eigene persönliche Marke in Eigenregie zu entwickeln und Wählern wie politisch Interessierten seine Ideen ungefiltert zu erklären. Was er noch dazu übersieht ist, dass er nun auch auf weitaus weniger Kommentare und Antworten zu seiner Politik und seinen Ideen stoßen wird. Immer mehr Bürger informieren sich in den sozialen Medien über die Politik und ihre Parteien. Neben den klassischen Marktplätzen besteht in den sozialen Medien die größte und effektivste Möglichkeit, den potentiellen Wählern „aufs Maul“ zu schauen und eine Politik in deren Sinne auszurichten.

So verständlich die Gedanken von Robert Habeck sind, der es infolge der täglichen Troll- und Hatekommentare und der Hackerattacke vom Dezember 2018 sicherlich leid ist, sich diesem ausgesetzt zu sehen, so falsch ist die Konsequenz, die er daraus zieht. Besser wäre es, eine Social Media-Pause einzulegen und sich eine Strategie auszudenken, bei der er und sein Team die Kommunikation gezielter und effektiver steuern.