In der vergangenen Woche ging die Meldung von einer „Lex Chebli“ durch die Berliner Presselandschaft. In einem internen Rundschreiben der Berliner Senatskanzlei wurde dringlich dazu ermahnt, dass Mitarbeiter sich mit Äußerungen in der Öffentlichkeit zurückzuhalten haben. Diese Anweisung sei nur ergangen, damit die in der Öffentlichkeit regelmäßig sehr kontrovers agierende Staatssekretärin Sawsan Chebli zu disziplinieren, wie es von Mitarbeitern des Hauses heißt. Der Tagesspiegel hat das Schreiben mittlerweile sogar auf den Namen „Lex Chebli“ getauft.

Aber warum die ganze Aufregung?

Sawsan Chebli gehört zweifelsohne zu den schillernden Charakteren der Politlandschaft. Sie schafft es vor allem über ihren Twitter-Account, regelmäßig mit polarisierenden Äußerungen für Schlagzeilen zu sorgen. Egal, ob es um harsche Formulierungen wie „mehr Radikalität“ gegen Rechts geht oder um ihre Rolex-Uhr (die sie in den Augen von Spöttern als Sozialdemokratin nicht besitzen darf): sie dominiert die Medien und das nicht unbedingt positiv. Dass ihr Fall kein gutes Licht auf ihren Arbeitgeber werfen mag, ist sehr gut möglich.

„Corporate Influencer“ im Amt aufbauen

Mitarbeiter zur Social Media-Abstinenz zu verdonnern, um ähnliche Kontroversen wie im Fall Chebli zu vermeiden ist allerdings extrem altbacken und kontraproduktiv. In der freien Wirtschaft setzen Unternehmen bereits seit einiger Zeit auf „Corporate Influencer“. Das sind Mitarbeiter, die mit ihren Postings und Diskussionsbeiträgen zu einem guten Image ihrer Arbeitgeber beitragen. Auch aufs Amt könnte man diese Kommunikationsstrategie ummünzen. Dabei geht es nicht darum, Ämter als perfekte Marken zu inszenieren. Es geht in erster Linie um Beziehungspflege. Tausende Menschen regen sich täglich über Amtsentscheidungen, lange Wartezeiten für Termine oder Bearbeitungsprozesse auf und sich umso verärgerter, wenn sie keine Informationen darüber bekommen, warum sie so lange warten müssen oder sie das Gefühl haben, abgespeist zu werden. Durch Ansprechpartner in den sozialen Medien lassen sich gegebenenfalls Fragen besser beantworten und vor allem schaffen sie mehr Vertrauen.

Sicher ist es durch steinalte Regelungen nicht so einfach wie in Unternehmen, eine funktionierende und sympathische Kommunikationsstrategie im Amt umzusetzen. Allerdings wäre es für alle Beteiligten weitaus besser als sämtliche Kommunikation zu unterbinden und sich dadurch der Chance zu berauben, die Diskussion positiv zu gestalten.