Selfies sind aus dem digitalen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken. Die meiste Zeit (zu Recht!) als Ausdruck von Minderwertigkeitskomplexen und narzistischen Tendenzen verpöhnt, könnte diese Technologie aber auch ihre guten Seiten haben.

In den USA kontrollieren Ärzte ihre Patienten zunehmend mit dieser Methode, ob Patienten ihre Tabletten auch wirklich nehmen.

Um „Selfie Medicine“ durchzuführen, benötigt der Patient eine spezielle App. Mit dieser filmt der Patient sich selbst per Video, wie er die verschriebene Arznei einnimmt. Das Prinzip klingt sehr einfach und banal – Statistiken zeigen jedoch, dass knapp 50% der US-Bürger ihre Medikamente nicht korrekt einnehmen.

Gerade bei der Behandlung gegen der in den USA weit verbreiteten Opioidabhängigkeit, kann eine verpasste Dosis fatal sein. Rückfälle wären damit vorprogrammiert und würden den Patienten damit in seiner therapeutischen Behandlung weit zurückwerfen.

 

Kritik an der Nachhaltigkeit von Selfie Medicine

Natürlich werden auch Stimmen laut, die im Prinzip der durch Video-Chats kontrollierten Medikation nur einen kurzfristigen Trend sehen. Schließlich nimmt man bestimmte Medikamente viele Jahre lang – möglicherweise sogar für immer. Ein Patient, der morgens aufwacht, die App öffnet, um seine Medikamente zu nehmen und diese Prozedur nachmittags und abends nochmal zu wiederholen – tagaus, tagein – könnte für den Patienten auf Dauer lästig werden. Ein eigenständiges Abbrechen der Therapie wäre dann nicht auszuschließen und sehr gefährlich.

 

Hilfreich bei Nebenwirkungen

Letztlich bleibt es fraglich, ob sich das selfiebasierte Medikationsmanagement in dieser Form wirklich durchsetzen wird. Als zusätzlicher Service für Apotheker, die Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen und unsicher sind, welches Medikamente gerade für eine Nebenwirkung gesorgt hat, könnte dies tatsächlich eine echte Entlastung sein für alle Beteiligten sein.